2. Januar, 2012 0

Walter Isaacson – Steve Jobs

Von in Rezensionen, Sachbücher

steve jobs Walter Isaacson   Steve Jobs

Inhalt:

Am 5. Oktober verstarb Steve Jobs. Er war Mitgründer von Apple, brachte den Personal Computer mit visueller Benutzeroberfläche in den Blick der Öffentlichkeit, half mit PIXAR, den Animationsfilm erwachsen werden zu lassen, veränderte mit dem iPod, dem iPhone und dem iPad ganze Unternehmensbranchen grundlegend und erweiterte die Nutzung digitaler Medien vieler Menschen auf der Welt. All diese Erfolge stecken in der selbstbetitelten Biographie, doch neben der Arbeit führte Jobs auch noch ein ereignisreiches und eigenwilliges Privatleben. Selbst ein Adoptivkind, fand er sich anfangs nur schwer mit der eigenen Vaterrolle zurecht und suchte lange nach einem persönlichen Halt. Er war exzentrisch, mal aufbrausend, mal weinerlich und immer auf der Suche nach Perfektion. Seine Wohnungen blieben lange leer, weil er sich nicht für die richtigen Möbel entscheiden konnte. Er fastete viel, aß mal nur Äpfel und begab sich gar auf eine Pilgerreise nach Indien, um seinen buddhistischen Glauben zu festigen. Der Journalist Walter Isaacson erhielt die einmalige Chance, all diese Facetten in der offiziellen Biographie von Steve Jobs festzuhalten.

Eigentlich geht es um:

Es geht um die gebeutelte Seele eines Mannes, der immer nach der perfekten Lösung suchte und dabei mal groß scheiterte und mal viel gewann. Steve Jobs wollte mit seinen Produkten die Massen ansprechen und allen Menschen ermöglichen, an der digitalen Zukunft teilzunehmen. Gleichzeitig war er aber auch ein Missionar für klares Design und geschlossene teure Systeme, die er den Kunden aufzwingen wollte. Es ging darum, Geld zu verdienen und gleichzeitig eine Revolution auszulösen. Wie schwierig die Vereinigung dieser beiden Wege ist, zeigen die Fehlschläge von Apple vor dem Zeitalter der i-Geräte. Als Mensch war Jobs wohl ein sensibles Monster, das seine Mitmenschen entweder anschrie oder umwarb. So ist die Biografie gleichzeitig ein Einblick in die emotionale Welt eines einmaligen und selten einfachen Mannes als auch in die Produktwelt von Apple, die er maßgeblich beeinflusste.

Minus:

Das Buch ist lang. Fast zu lang. Viele Passagen werden sehr detailliert ausgeschmückt und manche Informationen wiederholen sich immer und immer wieder. Das scheint eine Krankheit unter englischsprachigen Autoren bei populären Sachthemen zu sein. Zentrale Punkte müssen dem Leser ständig wiederkäuend vor die Nase gehalten werden, damit er sie auch wirklich versteht. Steve Jobs weint viel. Er scheint wohl unter einer bipolaren Störung gelitten zu haben. Apple sollte ein Gefühl von Gegenkultur vermitteln. Jobs konnte Menschen gut motivieren. All diese Punkte werden alle fünfzig Seiten erneut erwähnt und breitgetreten. Ein paar Kürzungen hätten hier Wunder gewirkt.

Plus:

Mir persönlich ist das private Leben von Steve Jobs relativ egal. Nach der Lektüre seiner Biografie kann man sogar zu dem Schluss kommen, dass er mit sehr viel wenig eigenem Können und viel Charisma und Sturheit seinen Erfolg erzwang und dabei viele Menschen, auch aus seinem nahen Umfeld, links liegen ließ. Dieser ganze Aspekt war zwar interessant zu lesen, aber die wahre Fundgrube stellte für mich der unternehmerische Teil des Buches dar. Die Entwicklungsschritte verschiedener Produkte werden nachgezeichnet und allerlei faszinierende Anekdoten aus der Frühzeit der Computerindustrie erzählt. Wer sich also für Computer im Allgemeinen und Apple-Produkte im Speziellen interessiert, dem kann ich die Biografie allein aus diesem Gesichtspunkt empfehlen. Die Stellen, in denen Steve Jobs darüber weint, dass er nicht die Personalnummer 1 erhielt, lassen sich ja einfach überblättern.

Prägender Satz:

“Recounting the scene years later, Jobs started to cry.”


Daten: Walter Isaacson – Steve Jobs (2011); C. Bertelsmann Verlag, 704 Seiten, 24,99€, ISBN: 978-3-570-10124-7.


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