11. Dezember, 2011 2

S.J. Watson – Ich. darf. nicht. schlafen.

Von in Rezensionen, Thriller

P1060553 S.J. Watson   Ich. darf. nicht. schlafen.

Inhalt:

Christine wacht seit rund zwanzig Jahren jeden Morgen auf und hat keine Ahnung, wer sie ist und wo sie ist. Täglich erklärt ihr Ben, der Mann neben ihr im Bett, dass sie nach einem traumatischen Erlebnis unter Gedächtnisverlust leidet und sich über Nacht nichts merken kann. Manchmal fallen ihr Dinge aus ihrem früheren Leben ein – und immer wieder vergisst sie sie. Bis sie anfängt, Tagebuch zu führen und sich selbst langsam kennenlernt.

Eigentlich geht es um:

Es geht um Vertrauen und Liebe und um eine wirklich schlimme Krankheit, die Christine jeden Tag aufs Neue durchmacht. S.J. Watson stellt die Frage, wie ein Mensch so etwas aushält und ob man das überhaupt aushalten kann. Vor allem, wenn man an dem zweifelt, was einem diejenigen erzählen, denen man vertrauen muss, weil man keine andere Wahl mehr hat.

Minus:

Teilweise wird die Geschichte ein bisschen unrealistisch. Wenn ich als Leser mindestens mehrere Tage brauche, um das Buch durchzulesen, wie schafft Christine das Tagebuch jeden Tag aufs Neue? Zwar wird erwähnt, dass sie teilweise die Seiten nur überfliegt und Stunden benötigt, aber so ganz greifbar wird doch nicht, wie das gehen soll. Warum kommt sie nicht auf die Idee, ihr Leben stichpunktartig zusammenzufassen, um alles lesen zu können? Klar, weil das dann nicht so ein Lesegenuss wäre. Ein bisschen mehr Logik wäre nichtsdestotrotz wünschenswert gewesen.
Bezüglich des Endes bin ich sehr zwiegespalten: Als ich es gerade beendet hatte, war ich empört, wie kann man ein so spannendes Buch so enden lassen? Wie geht es weiter? Mit ein bisschen Abstand sehe ich ein, dass der Autor fast keine andere Wahl hatte, um dem Buch nicht seinen Anspruch zu nehmen. Ein vollkommenes Happy End hätte nicht gepasst, wäre einfach unangemessen schwülstig gewesen, letztlich bin ich also dankbar, dass er es zumindest auch nicht in einem Evil End, um ein imaginäres Akronym zu Happy End zu benutzen, hat aufgehen lassen.

Plus:

Würde wortabstand Leseempfehlungen vergeben, würde dieses Buch definitiv eine bekommen. Watson beschreibt ohne Atempause, ohne Langeweile, ohne Sentimentalität, aber dennoch gefühlvoll Christines Leben, das jeden Tag neu beginnt, nachdem es jeden Abend neu endet. Durch den rasanten Erzählstil entwickelt sich eine schreiende Neugier, die sich erbost zeigt, wenn man das Buch zur Seite legt, denn: Wie geht es weiter? Kann Christine XY vertrauen? Was ist mit…?

Prägender Satz:

„Ich sitze hier in diesem mir fremden Bett und schreibe meine Geschichte auf, während ich ein Nachthemd trage, das der Mann unten – der sagt, dass er mein Ehemann ist, dass er Ben heißt – angeblich zu meinem sechsundvierzigsten Geburtstag für mich gekauft hat.“


Daten: S.J. Watson – Ich. darf. nicht. schlafen. (2011); Originaltitel: Before I go to sleep; Scherz Verlag, 397 Seiten, 14,95€, ISBN: 978-3-651-00008-7


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2 Kommentare zu “S.J. Watson – Ich. darf. nicht. schlafen.”

  1. Und ich. darf. eigentlich. keine. Bücher. mehr. kaufen. Aber wie soll das gehen? Der Titel hätte mich eigentlich eher abgeschreckt, aber nachdem ich die Rezension gelesen habe…oh weia…wieder ein Buch mehr auf der Liste! ;)

  2. Katharina sagt:

    Das kenne ich nur allzu gut! Aber das Buch kann ich wirklich absolut empfehlen. Das ist Spannung pur und genau richtig in der Jahreszeit :) .

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