18. April, 2012 0

Carsten Stroud – Niceville

Von in Rezensionen, Thriller

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Inhalt:

Mit Niceville, einer Kleinstadt im Süden der USA, stimmt etwas nicht. Seit Jahren verschwinden dort spurlos Personen. Gleichzeitig mit einigen neuen Vermissten ereignet sich ein brutaler Banküberfall und versetzt die Stadt in Angst. Die Geschichte folgt einem Dutzend Charakteren durch die Irrungen und Wirrungen der Ermittlungsarbeit und berichtet von Verfolgern und Verfolgten. Was geschieht mit dem erbeuteten Geld aus der Bank, haben die Gangster vielleicht noch etwas viel Wertvolleres gefunden und gibt es einen Zusammenhang zwischen den Verschwundenen und einer alten Geistergeschichte, die sich die Einwohner Nicevilles seit Jahrzehnten erzählen?

Eigentlich geht es um:

Erscheint Niceville zunächst wie ein typischer Krimi über vermisste Personen, dann wie ein Noir-Roman über Bankräuber, die sich bei ihrem großen Coup nicht vertrauen können, wird mit jeder weiteren gelesenen Seite klar, dass eigentlich eine alte Fehde zwischen den Gründerfamilien der Stadt im Mittelpunkt steht und die Vergangenheit ihre Finger in die Gegenwart ausstreckt. Niceville will in keine Schublade passen und vermischt so viele Genres miteinander, wie es Hauptfiguren hat, nämlich sehr viele.

Plus-Minus:

Carsten Stroud kann schreiben und die Übersetzung von Dirk van Gunsteren findet auch im Deutschen die richtige Mischung aus detaillierten Ausschmückungen und knackiger Kürze. Das ist erwähnenswert, weil die deutsche Ausgabe noch vor dem amerikanischen Original erschienen ist und dies der erste für den hiesigen Markt übersetzte Roman Strouds ist. Anscheinend hat Dumont von Beginn an die Finger am Manuskript gehabt und hofft nun auf einen Kult-Hit durch Mund-zu-Mund-Propaganda, denn dieser Roman ist erst der Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe über die Stadt Niceville und ihre dunkle Vergangenheit. Die Folgebände sollen im Frühjahr 2013 und 2014 erscheinen. Dementsprechend laut wird beim Verlag getrommelt und vom Klappentext schreien einem Vergleiche mit Stephen King, Cormac McCarthy, Twin Peaks, Lost und Quentin Tarantino entgegen. Ganz so hoch möchte ich nicht greifen, aber ein sehr kurzweiliger und gleichzeitig mysteriöser Roman ist es dann doch geworden. Die Figuren sind leider zu oft klischeehafte Versionen ihrer Selbst und die Tatsache, dass man es mit dem Auftakt einer groß angelegten Reihe zu tun hat, tut dem Schwung der Geschichte auch nicht gerade gut. Zu viele Charaktere müssen eingeführt und zu viele Interessen erläutert werden. Dabei kommt der Lesefluss jedoch selten ins Stocken und das rechne ich dem schreiberischen Talent Strouds hoch an. Dann aber übernimmt er sich inhaltlich und fängt für meinen Geschmack zu viel an und bringt fast nichts davon im ersten Band zu Ende. Wirklich abgeschlossen wird kaum einer der zahlreichen Erzählstränge und so muss der neugierige Leser zwei weitere Jahre warten, bis er die ganze Geschichte erfahren kann. Mir wird das Warten sehr leicht fallen.

Prägender Satz:

“Als er den Dienstwagen schließlich in die Garage seines großen alten Ranchhauses in The Glades rollen ließ und ausstieg, war er kein bisschen überrascht, als Charlie Danziger ihm die Pistole an den Hinterkopf drückte.”


Daten: Carsten Stroud – Niceville. (2012); Originaltitel: Niceville.(2012); Dumont Buchverlag, 505 Seiten, 19,99€, ISBN: 978-3-832-19646-2.


Wir danken Dumont für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars.

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