Inhalt:
Wie nähert man sich einem der großen alten Denker möglichst sanft an? Für Friedrich Nietzsche fiel meine Wahl auf eine Biografie. Um den Einstieg noch etwas einfacher zu gestalten, sogar eine Comic-Biografie. Die Franzosen Onfray und Le Roy zeichnen das Leben des deutschen Philosophen Nietzsche von seiner Kindheit bis zum Tod am 25. August 1900 in kurzen Episoden nach. Der frühe Tod des eigenen Vaters, die frühe Professur für den jungen Nietzsche, dann seine vielen Reisen durch Europa und immer wieder seine Krankheit, die schließlich gar im Wahnsinn mündete, werden in kräftigen Farbtönen präsentiert.
Eigentlich geht es um:
Die Biografie will und kann nicht alle Facetten des Lebens und Schaffens von Nietzsche in Gänze nacherzählen. Die meiste Zeit geht es stärker um das eigentliche Leben eines getriebenen und durch Krankheit gebeutelten Mannes, der zu Lebzeiten nur wenige Menschen mit seinen Schriften erreichen konnte. Seine Philosophie klingt in vielen Szenen an und wird auch gerne auf einigen Doppelseiten in langen Dialogen besprochen, bleibt für den unerfahrenen Nietzsche-Neuling jedoch nur ein erstes Sprungbrett für weitere Lektüre.
Minus:
Wie schon erwähnt, muss sich ein Nietzsche-Neuling zunächst ein paar eigene Informationen suchen, bevor er die Zusammenhänge der biografischen Zusammenstellung erfassen kann. Dazu reicht schon ein kurzer Blick in die Wikipedia, aber ohne ihn bleiben viele Andeutungen, die sich in den immer wieder gänzlich ohne Worte gestalteten Bildern finden, verborgen. Hinzu kommt ein leicht wechselhafter Zeichenstil, der mal sehr präzise und naturalistisch wirkt und dann wieder etwas zu wenig auf die Details achtet und sie in einigen Bleistiftstrichen versteckt.
Plus:
Für den Nietzsche-Interessierten, und das sollte man bei einer solchen Biografie sein, bringt der Comic eine melancholisch visuelle Präsentation der wichtigen Eckdaten seines Lebens und macht Neugierig auf die Werke, welche dahinter stehen. In der Präsentation sticht vor allen Dingen die tolle Farbwahl hervor, welche jeden Ort in ein ganz eigenes Licht rückt. Für mich geht der Weg nun zu den im Projekt Gutenberg frei verfügbaren Schriften von Nietzsche. Meine Neugier ist also geweckt und damit hat die Biografie ihren Zweck mehr als erfüllt.
Prägender Satz:
“Das ist die Aufgabe des Philosophen: Vom tragischen Wesen der Welt künden und Lösungen bieten, wie man dennoch glücklich leben kann.”
Daten: Michel Onfray und Maximilien Le Roy – Nietzsche. (2011); Originaltitel: Nietzsche. Se créer liberté. (2010); Knaus Verlag, 128 Seiten, 19,99€, ISBN: 978-3-8135-0430-9.
Wir danken dem Knaus Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.
Tags: Comics, Graphic Novel, Knaus Verlag, Philosophie, Rezension


Du hast mich jetzt definitiv neugierig gemacht, aber gerade bei Comics will ich vorher unbedingt sehen, wie die Zeichnungen sind, ob mir der Stil gefällt…auf Amazon gibt es für dieses Buch die “Blick ins Buch”-Option, aber irgendwie überzeugt mich das immer noch nicht so ganz. Und dein Minuspunkt stört mich auch, das Buch würde ich mir ja eben zulegen, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen, wenn ich dann aber erst Google fragen muss…hmmm. Schade! Aber vielen Dank für die Rezension, ich finde es toll, dass ihr so unterschiedliche Bücher vorstellt!
Freut mich, dass dir unsere Buchauswahl gefällt. Da wir zwei sehr unterschiedliche Leser sind, können wir hoffentlich eine schöne Mischung bieten.
Das Nietzsche Comic ist wohl wirklich eher zum Anschauen und Blättern gedacht und weniger als klares Einführungswerk. Auf Comicgate.de gibt es eine etwas harschere Kritik als hier von mir, vielleicht hilft dir das ja noch weiter.