13. Januar, 2012 0

Kate Atkinson – Das vergessene Kind

Von in Rezensionen, Romane

Atkinson Das vergessene Kind Kate Atkinson – Das vergessene Kind

Inhalt:

Tracy Waterhouse, Otto-Normal-Bürgerin mit diversen Komplexen und ehemalige Polizistin, kauft sich ein Kind. Sie kauft es ganz spontan von einer Crackhure mit dem Geld, was eigentlich für ihre Küchenrenovierung bestimmt war. Das Kind, vier Jahre alt, ist ein bisschen gestört, aber liebenswert – findet Tracy. Aber was macht man eigentlich mit einem gekauften Kind?
Neben dieser neuen Familie geht es noch um drei andere Kinder, die nicht wissen, woher sie kommen. All diese Geschichten gehören irgendwie zusammen und irgendwie auch nicht und sind letztendlich ein herrlicher Mischmasch von Heimatsuche-Erzählungen.

Eigentlich geht es um:

Es geht um die Frage, wohin wir gehören, was legal ist und was rechtens und dass diese beiden Dinge durchaus nicht immer auf das Gleiche hinauslaufen. Und in diesem Fall muss abgewogen werden, was wichtiger ist und was man mit sich selbst vereinbaren kann. Außerdem geht es natürlich auch um die Frage, wo unser Ursprung liegt und wie entscheidend er für unser weiteres Leben ist – ob er überhaupt entscheidend ist.

Minus:

Gerade am Anfang zieht sich die Geschichte kaugummiartig in die Länge, weil man noch nicht durchblickt, was inwiefern zusammenhängt. Dann gibt es wechselnde Erzählperspektiven und riesige Zeitsprünge. In Kombination miteinander ist das zu Beginn unheimlich irritierend und ich tat mich ein wenig schwer, in das Buch hineinzufinden.

Plus:

Das, was ein Minus ist, ist am Ende auch ein Plus. Denn so verwirrend die Geschichte anfangs auch sein mag, desto klarer wird letztendlich, worauf es hinausläuft. Man taucht auf diese Weise in verschiedene Geschichten ein, die schließlich zu einem zusammenlaufen, nur aus unterschiedlichen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten.
Unbedingt erwähnt werden muss auch die herrlich bissige Sprache des Buches, aus dem das Leben in seiner sarkastischsten Form spricht und so für viele Schmunzler sorgt. Wir folgen der Geschichte aus der Sicht vollkommen unterschiedlicher Charaktere, die aber allesamt verbittert sind und die das Leben einmal enttäuscht hat. Atkinson könnte das sprachlich nicht besser wiedergeben.

Prägender Satz:

„Es fiel ihm schwer genug, damit zurecht zu kommen, einen Sohn zu haben, aber mit dem Hund war es noch schwieriger.“


Daten:Kate Atkinson: Das vergessene Kind (2011); Originaltitel: Started Early, Took My Dog (2010); Droemer, 457 Seiten, 19,99€, ISBN: 978-3-426-19910-7


Wir danken dem Droemer Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

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