29. November, 2011 2

Suzanne Collins – The Hunger Games

Von in Fantasy, Jugendbuch, Rezensionen

hunger games Suzanne Collins   The Hunger Games

Inhalt:

Das Land Panem besteht aus zwölf Distrikten und einer Hauptstadt, dem Kapitol. Einmal im Jahr finden die Hungerspiele statt. Ein Junge und ein Mädchen, im Alter zwischen 12 und 18 Jahren, werden per Losverfahren aus jedem einzelnen Distrikten ausgewählt und kämpfen anschließend in einer Arena um Leben und Tod. Nur eine Person darf die Spiele lebend wieder verlassen. Jeder Schritt der Kämpfer wird mit Kameras verfolgt und in das gesamte Land übertragen. So findet sich Katniss Everdeen, ein 16-jähriges Mädchen aus dem ärmlichen 12. Distrikt, in einem großen Medienspektakel wieder, an dessen Ende entweder ihr Tod oder ewiger Ruhm für sie und ihre Familie wartet.

Eigentlich geht es um:

Die Hungerspiele sind ein Unterdrückungswerkzeug des reichen Kapitols gegenüber dem armen arbeitenden Volk. Es geht um eine Mischung aus Angst und Begeisterung für eine Unterhaltungsshow, deren Inhalt darin besteht, dass sich 24 Kinder aus den eigenen Reihen gegenseitig umbringen. Im einen Jahr freut man sich, dass der eigene Sohn nicht gezogen wurden, aber wie sieht es im nächsten aus? Die Spiele verbreiten Furcht und Lähmung und zwingen die jungen Kämpfer zu moralisch schweren Entscheidungen. Bei all dem Blut, dem Schweiß und den Tränen schreit der Roman nach Freiheit und Menschenwürde. Die Idee eines medial übertragenen Todeskampfs ist nicht neu und so ist die Kritik an Voyeurismus und Grenzüberschreitung auch nicht mehr ganz frisch. Schon einige Bücher und Filme haben sich an einem solchen Stoff abgearbeitet. Trotzdem hat die Formel nichts von ihrer Faszination verloren. Vom Dschungelcamp zu den Hungerspielen ist es schließlich auch nur noch ein kleiner Sprung.

Minus:

Der Leser begleitet die Ich-Erzählerin das gesamte Buch über und bekommt den medialen Wahnsinn rund um die Spiele nur am Rand mit. Überhaupt legt die Geschichte ein sehr hohes Tempo vor, was den ein oder anderen Aspekt der Handlung etwas schwach erscheinen lässt. Nur kurz ist man mit Katniss im 12. Distrikt und bekommt einen kleinen Eindruck von ihrem Leben. Schon ein paar Seiten weiter steht sie in der Arena und wir sollen ihr die Daumen drücken. Auch die Hungerspiele selbst huschen sehr schnell von Höhepunkt zu Höhepunkt und schaffen es leider nicht ganz, der Umgebung einen eigenen Charakter zu verschaffen. Das gesamte Spielfeld scheint nur aus Wald, einem See und einem Fluss zu bestehen, obwohl keine sichtbaren Grenzen gesetzt werden. Der ein oder andere Berg hätte hier vielleicht schon geholfen.

Plus:

Was ich als erwachsener Leser auf der einen Seite als nur sehr dünne Einführung und Schlag-auf-Schlag-Handlung kritisiere, empfinde ich als Leser, der auf intelligente Art und Weise unterhalten werden möchte, großartig. The Hunger Games ist nicht so brutal und düster, wie es die Thematik vielleicht verlangt, aber auch nicht so oberflächlich und unbeholfen, wie es ein Jugendbuch vermuten lässt. Suzanne Collins erweckt nicht nur die Hungerspiele zum Leben, sondern erschafft auch eine glaubhafte dystopische  Welt, die an vielen Stellen wohl bewusst nebulös erklärt wird, um für die beiden Folgebände der Trilogie noch genug Material zur Verfügung zu haben. Ich bin angefixt und lege den Roman jedem ans Herz, der kleine Zauberer und langweilige Vampire nicht mehr lesen kann.

Prägender Satz:

“A boy, I think from District 9, reaches the pack at the same time I do and for a brief time we grapple for it and then he coughs, splattering my face with blood.”


Daten: Suzanne Collins – The Hunger Games, (2008), Scholastic, ca. 6€, ISBN: 978-0-4390-2352-8; Deutscher Titel: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (2009), Oetinger Verlag, 17,90€, ISBN 978-3-7891-3218-6.


Ich empfehle jedem, der halbwegs dem Englischen mächtig ist, das Original zu lesen. Dabei geht es weniger um die Übersetzung als die unsägliche Optik sowie Ausstattung der deutschen Ausgabe. Da wird ganz klar auf die weiblichen Jungleser gezielt, während das Original in seiner modernen und schlichten Aufmachung auf die gesamte Leserschaft ausgerichtet ist.

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2 Kommentare zu “Suzanne Collins – The Hunger Games”

  1. keats sagt:

    Danke für diese kurze Review. Werde mir das Buch mal vormerken.

    By the way, der letzte Satz vor den Daten ist Weltklasse. Ich lachte!

  2. [...] Everdeen hat die Hungerspiele überlebt und ist in ihren Heimatdistrikt zurückgekehrt. Anstelle eines ruhigen Lebens im [...]

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