29. Mai, 2012 0

Jaycee Lee Dugard – A stolen life

Von in Rezensionen, Sachbücher

Jaycee Dugard A stolen life Jaycee Lee Dugard   A stolen life

Inhalt:

In ihrer Autobiografie erzählt die Amerikanerin Jaycee Lee Dugard von ihrer Entführung im Alter von 11 Jahren bis zu ihrer Befreiung 18 Jahre später. Dazu gehören Tagebucheinträge aus der Zeit ihrer Gefangenschaft, persönliche Bilder sowie Reflektionen des Geschehenen. Sie schildert ihre Vergewaltigungen, Misshandlungen, die Geburt ihrer Töchter und der Beziehung zu ihrem Entführer und seiner Frau, die von Anfang an involviert war.

Eigentlich geht es um:

Das Buch bietet einen Blick hinter die Kulissen einer grausamen Tat à la Natascha Kampusch, in das Seelenleben eines Opfers und das der Täter. Es zeigt die Abgründe unserer Zivilisation und lässt den Gedanken aufkommen, wie viele Menschen wohl noch in Kellern sitzen und auf ihre Befreiung warten.

Plus-Minus:

Ein Buch, das den Voyeurismus unserer Gesellschaft befriedigt, ist „A stolen life“ wohl nicht. Alles, was der Leser an Fakten erfährt, steht auch bei Wikipedia. Und das ist auch gut so. Die Autorin muss nicht all die Fragen beantworten, die unser skandalgeiles Hirn vielleicht stellen mag, sie hat in ihrem Leben genug erlebt und konnte lange genug nicht selbst entscheiden, was sie über sich preisgibt und was nicht. Zukünftigen Lesern sollte das aber bewusst sein.
Stattdessen bekommen wir einen Einblick in das Seelenleben einer jungen Frau, die ihren Platz im Leben erst noch finden muss, weil ein verrückter und egozentrischer Mann meinte, ihr 18 Jahre wegleben zu müssen, um seine eigenen Perversionen befriedigen zu können. So beschreibt sie in Reflektionsabsätzen nach der Schilderung der eigentlichen Erlebnisse stets ihren heutigen Blick auf die jeweilige Situation und macht so immer wieder deutlich, dass sie Schritt für Schritt ihren Weg in die reale Welt zurückfindet. Dass das nicht immer einfach ist, lernen wir in Kapiteln über ihre Therapie, die Situation ihrer Töchter und dem Umgang mit der Presse. Zugegebenermaßen ist das teilweise ein wenig lang geraten, wenn sie beispielsweise über ihre Tierliebe und ihre diversen Katzen schreibt. Da überblättert man im Zweifelsfall ganz gerne einige Seiten. Diese Zwischensequenzen haben zur Folge, dass man immer wieder in die Wirklichkeit zurückfindet, unabhängig davon, welche Grausamkeiten gerade beschrieben wurden. Das kann einem gefallen oder nicht. Ich persönlich bevorzuge eine klare Darstellung der vergangenen Ereignisse ohne zusätzliche Reflektionen. Die können gerne danach erfolgen, da würden sie mich weniger stören.

Prägender Satz:

“I feel I have missed out on so many things already that I hate to miss a second more.”


Daten: Jaycee Lee Dugard – A stolen life (2011), Simon & Schuster UK, ca. 13,95€, ISBN: 978-0-857-20712-8; Deutscher Titel: Ein gestohlenes Leben: Als Kind entführt, nach 18 Jahren befreit (2012), Piper, 9,99€ (Taschenbuch), ISBN 978-3-492-30039-1.


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