15. Mai, 2011 0

James Sallis – Dunkle Schuld

Von in Krimi, Rezensionen

sallis driver James Sallis   Dunkle Schuld

Inhalt:

Ex-Soldat, Ex-Cop, Ex-Häftling und Ex-Psychologe Turner hat sich in einem kleinen amerikanischen Städtchen niedergelassen und möchte nur noch am See sitzen, Wein trinken und Musik aus seiner Jugend hören. Dann geschieht jedoch ein Mord und der örtliche Sheriff bittet um Hilfe. Obwohl Ex-Soldat, Ex-Cop, Ex-Häftling und Ex-Psychologe Turner in seiner momentanen Lebenssituation den Kontakt mit Menschen meiden möchte, nimmt er den Auftrag doch an. Wie er zum Einzelgänger und Ex-Soldat, Ex-Cop, Ex-Häftling und Ex-Psychologe wurde, erzählen zahlreiche Rückblenden in sein früheres Leben, die nahezu die Hälfte des Romans ausmachen.

Eigentlich geht es um:

Es geht nicht wirklich um einen Mordfall. Es geht viel stärker um einen gealterten Mann, der immer das Richtige machen wollte, aber durch die Unwägbarkeiten des Lebens nie am Ziel ankam. Es geht um die kleinen Dinge des Lebens, die für uns so normal sind und die wir für ein frohes Leben brauchen und wie sie ganz schnell verschwinden können, obwohl man sie doch festhalten wollte. Der Autor James Sallis und mit ihm sein Held Turner sinnieren über die Entscheidungen, welche unser Dasein auf der Erde bestimmen und zeichnen ein undeutliches Bild der Gesellschaft zwischen Romantik und Kulturpessimismus. Ganz besonders geht es aber darum, mit wenigen Worten ganz viel zu sagen.

Minus:

Auf der Handlungsebene passiert fast nichts und der eröffnende Mordfall gerät zwischen all den Rückblicken auf frühere Zeiten ins Hintertreffen. Eher nebenbei wird das Verbrechen aufgeklärt und die Ermittlungsarbeit nur mit wenig Interesse beschrieben. Aus der Frage: Wer war der Täter?, zieht die Geschichte keinerlei Spannung.

Plus:

Ich bin ein großer Fan des Minimalismus und James Sallis scheint es ähnlich zu gehen. Dabei muss Minimalismus nicht bedeuten, wenig zu sagen, sondern mit wenig Worten sehr viel zu sagen und die großen Themen komprimiert zu verpacken. Der knappe Schreibstil erfordert höhere Aufmerksamkeit, bietet aber dafür ein erfrischendes Leseerlebnis. In nur zwei kleinen Sätzen können sich große seelische Abgründe auftun. Dabei schafft es Sallis, nicht langweilig zu klingen und trotz knappen Formulierungen eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, die der Schlichtheit seiner Worte zunächst kaum zuzutrauen ist.

Prägender Satz:

„So wie der April jedes Jahr den Berg runterkommt wie ein Idiot, plätschern und Blumen streuend, so kommt der Oktober verdrießlich und ernst auf uns zu – nie mehr als das.“


Daten: James Sallis: Dunkle Schuld (2009), Originaltitel: Cypress Grove (2003), 1. Teil einer Trilogie, Heyne, 301 Seiten, 8,95€, ISBN: 978-3-453-434103


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