27. Mai, 2011 1

Haruki Murakami – 1Q84

Von in Rezensionen, Romane

1q84 Haruki Murakami   1Q84

Inhalt:

Japan. Die Fitness-Trainerin Aomame verdient sich nebenbei als Killerin etwas hinzu, während der Mathelehrer Tengo nachts über unfertigen Manuskripten hockt und endlich seinen ersten eigenen Roman veröffentlichen will. Als ein kleines Mädchen mit einer bahnbrechenden Geschichte in sein Leben tritt, erklärt er sich bereit, ihre ungelenken Worte in ein leserliches Wunderwerk zu verwandeln, welches prompt die japanische Literaturwelt in Aufruhr bringt. Das Mädchen hat allerdings eine dunkle Vergangenheit in einer Sekte, aus der sie vor einiger Zeit geflohen ist und nebenbei sind sich die Hauptfiguren bald nicht mehr sicher, ob sie noch im Jahr 1984 oder in einer Parallelwelt im Jahr 1Q84 gelandet sind, in der sich nicht mehr ein Mond am Himmel befindet, sondern zwei.

Eigentlich geht es um:

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich keine Ahnung. Murakami ist ein Erzähler für die melancholisch gelangweilte Generation ohne Ziel. Man ist so irgendwo angekommen, wo es einem ganz gut geht, aber von da kommt man nicht weiter. Dann sitzt man mit einem Tee am Küchenfenster, schaut die grauen Wolken an und blättert nickend durch 1Q84. Liest darüber, wie man die ein oder andere japanische Speise zubereitet, wie es so ist, mit der japanischen Bahn zu reisen und wie man ältere japanische Herren mit schöner Kopfform zum Beischlaf überredet. Dabei vergisst man leicht die Zeit und schnell sind 200 Seiten gelesen, ohne dass die Geschichte sich auch nur einen Zentimeter bewegt hat. In epischer Breite wird über das Arbeiten eines nicht besonders erfolgreichen Schriftstellers berichtet und beim Leser stellt sich die Frage, ob der Autor Murakami gerade sich selbst dabei beschreibt, wie er den vorliegenden Roman mühsam in eine lesbare Form bringt.

Plus:

Murakami schreibt fesselnd ohne zu übertreiben, schreibt kurz und präzise, schreibt über viele Details und bleibt doch immer vage. Ich habe keinen Schimmer, wie er das anstellt, aber es ist verdammt gut gemacht. Die Stimmung wabert zwischen hartem Realismus und träumerischem Märchen hin und her und überzeugt durch ihre feine Mischung aus Melancholie und Romantik.
Lobend zu erwähnen ist auch die großartig gestaltete deutsche Hardcoverausgabe mit Lesebändchen und Autorname auf dem Seitenschnitt.

Minus:

Leider muss Murakami seinen tollen Schreibstil auf irgendeine Geschichte anwenden und da versackt sein Können dann im großen Nichts. Der 1022 Seiten lange Roman enthält nur die ersten beiden Teile einer Trilogie und findet dementsprechend auch kein befriedigendes Ende. Klare Spannungsbögen sind selten und viele Beschreibungen sind nur vorhanden, um schön auszusehen, aber nicht, um einen Inhalt zu vermitteln. Mehr Schein als Sein.

Prägender Satz:

„Es gab so vieles, das sie noch nicht verstand.“


Daten: Haruki Murakami: 1Q84 (2010), Originaltitel: 1Q84 Book 1 & 2 (2009), Dumont, 1022 Seiten, 32€, ISBN: 978-3-8321-9587-8


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Ein Kommentar zu “Haruki Murakami – 1Q84”

  1. [...] Link zur Rezension der ersten beiden Büchern der Reihe. [...]

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