Gestern erschien ein langer Trailer zur Buchverfilmung Cloud Atlas (dt.: Der Wolkenatlas) von David Mitchell. Regie führen Tom Tykwer und die Wachowski Geschwister und neben Tom Hanks und Halle Berry spielen noch ganz viel andere talentierte Schauspieler im Film mit. Die Episodengeschichte wird mit imposanten Bildern erzählt und machte mich auf die Buchvorlage aufmerksam (Ja, manchmal lese ich Romane erst, wenn die Verfilmungen dazu schon angekündigt sind. Schande über mich.).
Nachdem ich also den Trailer gesehen hatte, machte ich mich auf die Suche nach einer E-Book-Version der deutschen Ausgabe und fand … nichts. Obwohl (vielleicht auch weil) Cloud Atlas ein erfolgreicher Roman und Kritikerliebling ist, der mit allerhand Preisen ausgezeichnet wurde, findet sich von der deutschen Übersetzung nur eine Hardcover- und eine Taschenbuch-Ausgabe. Auch auf der Verlagsseite von rororo sieht es nicht besser aus. Für den Filmstart im November ist eine neue Taschenbuchausgabe angekündigt, ob es dann vielleicht auch eine E-Book-Version geben wird? Ich wage es einfach mal zu bezweifeln und selbst wenn, ist es für mich dann auch schon zu spät.
Was gibt es nämlich dank dieser verrückten modernen Vertriebswege ganz einfach zu kaufen? Richtig, das englische E-Book für den schmalen Preis von 7,49€ und damit sogar günstiger als das deutsche Taschenbuch für 9,99€. Ich hätte lieber die deutsche Übersetzung gelesen und dafür auch 10€ gezahlt, aber meine Englischkenntisse sind ausreichend genug, um auf das Original zurückgreifen zu können.
Umsatz für die deutsche Buchbranche: 0€.
(Wer sich jetzt noch fragt, warum ich nicht einfach das deutsche Taschenbuch gekauft habe: Die Zeit der Papierbücher ist bei mir vorbei. Dazu in einem der nächsten Beiträge mehr.)
Tags: Cloud Atlas, E-Books, Kommentar

Lieber Daniel, von jemanden, der selbst das Buch als “Liebhaberstück” bezeichnet, hätte ich mehr erwartet, als diesen 08/15 Kommentar. Anscheinend bist du ja ein sehr einseitiger und sturer Liebhaber, der nur die digitale Form eines Buches “lieben” kann und davon auch keinen Zentimeter abweichen kann. Doch was tust du damit den anderen Liebhabern an, denjenigen, die es lieben in “richtigen” Büchern zu blättern, zu schmökern und sich ihre wunderbaren Gefährten als Erinnerung ins Regal stellen möchten? “An mir verdient die deutsche Buchbranche kein Geld!”. Bist du auf diesen Satz stolz. Als Mensch mit (hoffentlich) gesundem Menschenverstand der zudem auch noch Buchwissenschaft studiert (hat?) müsste man doch erwarten können, dass er weiß, was dieses Verhalten für die Buchbranche bedeutet, insbesondere für den Einzelbuchhandel. Wo wir zu dem Punkt gelangen, an dem ich dich eigentlich fragen müsste, von wo du deine Bücher überhaupt beziehst. Wusstest du, dass man auch bei kleinen Buchhandlungen sowohl gedruckte Bücher, als auch E-Books problemlos und schnell erwerben kann. Es muss nicht immer Amazon sein.
Warum rororo dieses Buch nicht als E-Book anbietet? Ich kann es dir nicht sagen, aber ich bin sehr froh darum. “Die Zeit der Papierbücher” ist nicht vorbei und sie wird es auch nie sein. Kostbare handgeschriebene und gedruckte Bücher gab es schon lange lange vor deiner Zeit und wird es auch danach noch lange geben.
Liebe Bücherliebhaberin,
ich bezeichne das Objekt Buch als Liebhaberstück. Und damit meine ich genau das gleiche wie du. Papierbücher werden nicht verschwinden, sondern ein Nischenprodukt für Menschen werden, die gerne am Papier schnüffeln und Seiten umblättern. Ähnlich wie bei Schallplatten wird es immer Nostalgiker geben, die daran ihre Freude haben und die will ich ihnen auch nicht wegnehmen. Ich selbst zähle mich nur bedingt zu dieser Gruppe. Bücher mit besonderer Ausstattung, die einen hohen Wert auf Typographie und Optik legen, blättere ich auch gerne durch, aber einen einfachen Roman möchte ich nie wieder als Papierblock in meiner Tasche rumtragen. Das Lesevergnügen ist bei einem Standardtaschenbuch keinen Deut angenehmer als auf einem E-Reader. Letzterer bietet dafür Suchfunktionen, Übersetzungen, unendlichen Speicherplatz, geringeres Gewicht und Platzersparnis im Regal.
Womit wir bei der deutschen Buchbranche sind. Nur weil ich Buchwissenschaft studiert habe (ja, fertig), bin ich nicht automatisch Vertreter und Freund der deutschen Buchwirtschaft. Aus der Sicht eines modernen technikaffinen Menschen kann man über viele Entscheidungen, gerade von großen Branchenvertretern, eigentlich nur den Kopf schütteln.
Mein “08/15″-Kommentar ist trotzdem als Hilferuf zu verstehen, weil ich gerne mein Geld zu rororo rübergeschoben hätte. Wahrscheinlich gibt es dort kein deutsches E-Book, weil die Rechte dafür nicht vorhanden sind. Die müssten nachverhandelt werden und würden noch einmal Geld kosten. Geld, was die Verlage momentan sehr ungern ausgeben. Das Problem ist nur, dass dank Digitalisierung, Internet und marktübergreifenden Händlern die komfortable Möglichkeit für den Kunden besteht, einfach das Original zu kaufen. Davon hat der deutsche Verlag leider nichts und wird auch in Zukunft nichts haben, weil sich ganze Kundengruppen von ihren Angeboten abwenden. Das Geld, was die deutschen Verlage jetzt bei der langsamen Umstellung auf E-Books sparen, werden sie in Zukunft doppelt und dreifach verlieren.
Selbst wenn ich einen kleinen Buchhändler durch den Kauf eines E-Books über seine Internetseite unterstützen wollte, ich kann es doch gar nicht, weil es mein gewünschtes E-Book gar nicht zu kaufen gibt.
Ich unterstütze übrigens nicht Amazon, sondern Kobo. Kobo ist momentan das einzige Unternehmen, dass sich aus meiner Sicht weltweit als Konkurrenz gegenüber Amazon im E-Book-Geschäft behaupten kann, weil es ein vergleichbares Angebot und gute Soft- und Hardware bietet. Leider gibt es keine ebenbürtige deutsche Plattformen, die ich in diesem Maße empfehlen kann.
Das du dich darüber freust, dass Bücher nicht als E-Book angeboten werden, ist sehr schade. Du wirfst mir vor, ein sehr einseitiger und sturer Liebhaber zu sein, aber ich will dir deine Papierbücher nicht wegnehmen. Ich hätte nur gerne die Wahl.
Hi Daniel,
das ist eine gute Gelegenheit, mal wieder den Herrn Agitpopblog zu verlinken, dessen Artikel über Cloud Atlas mich damals das Buch hat kaufen lassen: http://agitpopblog.org/?p=275
“Der dreizehnte Monat” – auch von Mitchell – mochte ich übrigens auch ganz gern.
Ansonsten, watt sachste zu diesem Zitat vom ollen Fry? “Books are no more threatened by Kindle than stairs by elevators.”
Bücher sind nicht gleich Bücher.
Das E-Book wird in den nächsten 5-10 Jahren den belletristischen Taschenbuchmarkt ersetzen. Da bin ich mir relativ sicher. Der macht zwar einen sehr großen Marktanteil am gesamten Buchmarkt aus, aber eben nicht alles. Ob sich Sachbücher mit viel Bebilderung und Zusatzinformationen komplett in Apps für Smartphones wandeln werden, ist dagegen nicht so klar, aber aus meiner Sicht ein logischer Trend, wenn bald 99% der Menschen ein kluges Telefon mit großem Display haben.
Die jetzige letzte Buchgeneration (ich zähle mich da auch noch zu) unterschätz die gerade komplett digital aufwachsende Jugend. Da ist dann keine Nostalgie mehr vorhanden und es kann ganz ganz schnell gehen.
Gleichzeitig werden schön gestaltete Hardcover-Bücher und Sonderausgaben bleiben, aber im Preis steigen. Das sind dann Frys Stufen, die vielleicht noch mal wichtig werden könnten, wenn bei Amazon, Apple und Google die Server (Aufzüge) plötzlich ausgehen und alle digitalen Bücher auf einen Schlag verschwinden. (apokalyptisches Zukunftsszenario)
PS: Der Agitpop kennt mal wieder alles und hat alles schon gelesen … manno!
Ich kann natürlich nur raten, würde aber sagen, Fry meinte das so ähnlich wie du. Beides existiert nebeneinander her. Ich bin ja selbst eigentlich eher ein very late adopter (kennste ja, zwinker zwinker), aber sogar ich muss zugeben, dass ich keinen rechten Grund mehr sehe, mir Fastfoodschmöker (GRRMartin, der Illuminati-Heini und so) auf toten Bäumen ins Regal zu stellen. Bei anspruchsvolleren Romanen bin ich mir da noch nicht so sicher.
Nur ist bisher mein Schmerz nicht groß genug, um die Einstiegshürde zu überwinden, nämlich Geld auszugeben für die Hardware. In derselben Sekunde, in der ich das dann irgendwann getan haben werde, werde ich allerdings zum Guttenberg Projekt rüberhechten und mir all die Klassiker der Weltliteratur für lau ziehen. Yay!
btw: das kennste schon, nehme ich an: http://www.mediabistro.com/appnewser/douglas-adams-and-the-kindle-prophecy-of_b12038
Ich hab mir eben übrigens noch schnell zwei Mitchells auf die Amazon-Wunschliste gesetzt… Verdammt, ich brauche mehr Zeit zum Lesen
Und wenn du dann all die freien E-Books runtergeladen hast, wirst du sie nie lesen. So wie ich! Das Überangebot ist dann das nächste Problem.
Ich fand bei der eigenen E-Reader-Nutzung selbst überraschend, wie schnell mein Leseverhalten sich geändert hat. Ich bin vom normalen Buchkäufer schlagartig zu einem 90% E-Book-Leser geworden und wenn ich mein Umfeld beobachte, geht es anderen ähnlich.
Hallo zusammen!
Ich lese momentan gerade mein erstes e-Book (Fool on the Hill – Matt Ruff, die englische Version) und…sicher, der Reader hat schon einige Vorteile, aber: die Papierversion wird er für mich höchstens bei “Fastfood-Literatur” ersetzen. Beim Fool tut es mir einfach in der Seele weh, wenn ich sehe, dass in meiner Version immer wieder mal Rechtschreibfehler auftauchen, Buchstaben verschluckt werden, wenn ich hin und herblättere “springen” die Zeilen manchmal (hello Schusterjunge!)…alles verkraftbar, ja. Aber Lesen ist für mich – idealerweise – ein sinnliches Erlebnis, wenn ich mich dann aber mit solchen Fehlern herumschlagen muss verdirbt es mir den Spaß daran. Ich will damit nicht sagen, dass sowas bei Printausgaben nie mal vorkommt, aber so gehäuft? Mir ist mein Geld dann auch einfach zu schade dafür, da bezahle ich dann doch lieber ein paar Euro mehr und bekomme ein halbwegs ordentliches Buch (vielleicht noch inklusive netten Plausch mit dem Buchhändler?) als den offensichtlich hastig zusammengeklickten digitalen Abklatsch davon. Anscheinend ist die Buchbranche (und damit meine ich nicht nur die Deutschen) einfach noch nicht so weit…