2. März, 2012 0

Skoobe – die moderne Art der Bücherleihe?

Von in Buchbranche

Es tut sich was in Sachen Bücherleihe über das Internet. Die staatlichen Bibliotheken scheinen mit dem Angebot der Onleihe einen guten Start hingelegt zu haben und diese Woche ziehen die zwei großen Medienkonzerne Holtzbrinck und Bertelsmann mit einem neuen Angebot namens Skoobe nach.

Über 70 Verlage bieten auf der Plattform momentan mehrere tausend aktuelle Bücher aus den Bereichen Belletristik, Sachbuch, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbücher an. Gelesen werden können die geliehenen Bücher bisher nur auf Apple-Geräten mit dem Betriebssystem iOS, eine Android-Version soll folgen. Mein iPhone und ich haben uns das Angebot einmal genauer angeschaut. 

Startet man das zunächst kostenlose Programm auf dem iPhone, iPad oder iPod touch, erhält man vollen Zugriff auf den Katalog und kann auch ohne vorherige Anmeldung durch die gebotene Auswahl stöbern. Wer weiß, welche Verlage sich hinter den beiden Konzernen Bertelsmann und Holtzbrinck verbergen, ahnt schon, was ihn erwartet. Eine ganze Reihe von großen Publikumsverlagen wie Heyne, Goldmann oder btb stecken etwa in der Random House Verlagsgruppe von Bertelsmann und auch bei Holtzbrinck sind große Namen wie S. Fischer, Droemer Knaur oder Rowohlt vertreten. Nach meiner kurzen Stichprobe scheinen die Verlage von Random House allerdings die Mehrzahl des vorhandenen Katalogs auf Skoobe einzunehmen.

skoobe 1 Skoobe – die moderne Art der Bücherleihe?skoobe 2 Skoobe – die moderne Art der Bücherleihe?

Die Navigation durch Kategorien und Suchanfragen ist schlicht und gut gelöst, die Informationen zu den Büchern ausreichend und sogar eine Leseprobe zu jedem Werk lässt sich umsonst betrachten. Das gab mir die Möglichkeit, das theoretische Leseerlebnis zu testen und hier zeigen sich leider einige Schönheitsfehler. Zunächst einmal ist da die lästige Umblätteranimation. Wie in vielen anderen modernen Leseprogrammen auf Geräten mit Touchscreens, wird das Umblättern der Seiten simuliert. Fährt man mit dem Finger von rechts nach links, so bewegt sich die Seite auf dem Bildschirm mit, als hätte man sie an der Kante gegriffen. Warum man diese analoge Papieridee in die digitale Welt übernehmen muss, war mir noch nie klar. Ein einfacher Bildwechsel ohne jede Animation ist schneller und stört den Lesefluss erheblich weniger als ein sich ständig wellendes imaginäres Stück Papier. Gerade auf dem kleinen Bildschirm eines iPhones, bei dem man erheblich öfter umblättern muss als bei einem herkömmlichen Buch, wird diese Animation schnell nervig. Ausschalten kann man sie leider nicht.

Ein weiteres Problem beim digitalen Lesen besteht darin, dass sich jeder Leser seine Schriftgröße selbst aussuchen kann. Das ist auf der einen Seite schön, sorgt aber bei der Darstellung des Gesamttextes für allerlei Unwägbarkeiten. Vergrößert man die Schrift, so passen weniger Zeichen in eine Zeile und damit muss die Zeile an einer anderen Stelle umgebrochen werden. Mit Hilfe von automatischer Silbentrennung und linksbündigem Flattersatz lässt sich das Problem in den Griff bekommen und man vermeidet unschöne Lücken im Textfluss. Leider bietet Skoobe diese Möglichkeit nicht und zwingt jeden Text in Blocksatz ohne jede Silbentrennung. Die Folge ist ein unruhiger Text mit allerlei unschönen Gassen, wie die folgenden Beispiele zeigen:

skoobe 3 Skoobe – die moderne Art der Bücherleihe?skoobe 4 Skoobe – die moderne Art der Bücherleihe?

Kleine Bildschirme verschlimmern diesen Effekt natürlich und auf einem iPad mag das Problem nicht ganz so heftig auftreten, nervig ist es aber allemal.

Wenn man sich mit dem etwas unangenehmen Leseerlebnis abfinden könnte, was würde der Spaß dann kosten? In der laufenden Einführungsphase bekommen die ersten 10.000 Mitglieder für 9,99€ unbegrenzten Zugriff auf das gesamte Angebot und können im ersten Jahr (bis 01.03.2013) fünf Bücher gleichzeitig ausleihen. Wer nicht unter den ersten 10.000 ist zahlt ebenfalls 9,99€, bekommt aber nur zwei Bücher pro Monat zur freien Auswahl. In Anbetracht des typischen Taschenbuchpreises ist dies immer noch ein gutes Angebot.

Für den reinen Unterhaltungsleser, der gerne viel und am liebsten Aktuelles liest, könnte sich Skoobe zu einer interessanten Alternative entwickeln. Für mich persönlich steht dem allerdings noch ein zu unbequemes Leseerlebnis im Weg, welches sich aber über kleinere Updates der Benutzeroberfläche verbessern ließe. Wir werden den Dienst auf jeden Fall im Auge behalten und nach der Veröffentlichung der Android-Version erneut begutachten.

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